Beleiuchtetes Negativ im Behelfs-Leuchtkasten

Analoge Fotografie: Scannen, ohne zu scannen

Vor kurzem habe ich meinen ersten analogen Film belichtet und anschließend entwickelt. Doch was tut man nun mit solchen Negativen? Einfach in die Schublade legen und vergammeln lassen? Sicherlich nicht. Ich entscheide mich dazu, die Negative zu digitalisieren, um die Filme dann auf der Festplatte vergammeln zu lassen später Abzüge bestellen zu können, mir die Fotos als Prints an die Wand zu hängen oder die Fotos in sozialen Medien zeigen zu können.

Da ich keinen speziellen Fotoscanner besitze, habe ich mich dazu entschieden die Negative abzufotografieren.

Ein erster Versuch, die Negative mit einem einfachen Blatt Kopierpapier als Hintergrund abzufotografieren, war leider nur von mäßigem Erfolg gekrönt. Die Kontraste waren sehr flau, feine Unterschiede in der Belichtung kamen nicht gut zur Geltung.

Es musste also Licht von hinten her. Alle Leuchtmittel, die ich im Haus habe, sind aber recht punktförmig und eignen sich kaum zur gleichmäßigen Ausleuchtung des Negativs. Der Ansatz mit dem Abfotografieren ist nicht neu. Boris, den ich bereits in einem der letzten Beiträge erwähnt habe, digitalisiert seine analogen Negative ebenfalls so. Er verwendet zur Ausleuchtung sein Smartphone bzw. bei größeren Negativen eine LED-Lampe. Den Ansatz adaptiere ich und verwende mein Tablet.

Mit diesen Kameraeinstellungen fotografiere ich meine Negative ab.
Mit diesen Kameraeinstellungen fotografiere ich meine Negative ab.

Mit der Andoroid-App White ist es möglich, die gesamte Fläche des Tablets oder Smartphones weiß leuchten zu lassen. Extrem hilfreich, wenn man es als Leuchtmittel verwenden möchte. Sicherlich gibt es auch andere Möglichkeiten, das Tablet weiß leuchten zu lassen, z.B. eine leere Seite im Browser zu öffnen. Diese funktioniert jedoch für mich sehr gut.

Legt man die Negative direkt auf das Tablet, wird man aber schnell feststellen, dass die feinen Pixel des Bildschirms im Foto doch noch zu sehen ist. Daher benötigt man einen Abstandshalter und eine etwas offenere Blende, damit die einzelnen Pixel zu einer undefinierbaren Lichtmasse verschwimmen.

Mein DIY-Leuchtkasten: So sieht er von innen aus.
Mein DIY-Leuchtkasten: So sieht er von innen aus.

In meinem Fall stellte die Pappschachtel des Wechselsacks den Abstandshalter da. Diese ist etwa 3 Zentimeter dick und gerade so groß, dass mein Tablet dort hineinpasst. Auf der einen Seite wird ein Loch geschnitten, dass geringfügig größer ist als ein Bild auf den Mittelformatnegativen. Somit fällt auch nicht zu viel Streulicht auf den Sensor der Kamera und die Kontraste im Bild bleiben satt.

Der Negativstreifen wird anschließend auf das Fensterchen gelegt und außen herum beschwert, damit er sich nicht rollt. Als Beschwerung habe ich normale Lineale verwendet, diese sind schwer genug. Ich empfehle, die Negative erst nach der Digitalisierung zu zerschneiden, da Bilder in der Mitte von Streifen einfacher zu beschweren sind.

So werden die Negative abfotografiert.
So werden die Negative abfotografiert.

Anschließend wird die Kamera lotrecht über dem Negativ angebracht. In meinem Fall habe ich sie an einem Lichtstativ mit Galgen befestigt, so konnte ich sie genau darüber ausrichten und auch mehrere Fotos aufnehmen ohne dass sie sich bewegt. Als Objektiv habe ich ein 50mm f/1,8 verwendet, das mit einem kurzen Zwischenring makrotauglich gemacht wurde.

Ich habe vermutlich den Fehler gemacht, das Negativ beim Bildwechsel weiterzuziehen, statt es umzulegen. Daher habe ich über meine Filmlänge einen Kratzer. Das hätte vermieden werden können und beim zweiten Film werde ich es besser machen.

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