Andy's Handy Mini Exposure Calculator, die kleine Abschätzhilfe.

Analoge Fotografie: Der erste Film

Nachdem ich mir die Rheinmetall Weltax, eine analoge Mittelformatkamera, gekauft hatte, sollte diese nun ausgiebig getestet werden. Die Filme sind mittlerweile geliefert worden, also möchte ich einen Film einlegen und zu einem ausgedehnten Spaziergang losziehen. Unsicher, ob das Einlegen auf Anhieb klappt, oder ob ich den Film vielleicht ausversehen ein wenig belichte, lege ich erst einmal einen der bestellten günstigeren Filme ein, einen Fomapan classic mit 100 ISO. Es klappt aber alles und der erste Film ist eingelegt und vorgespult, bis die 1 im linken roten Fensterchen erscheint.

Wer den letzten Beitrag gelesen hat, weiß: Das linke Fenster ist für die kleineren Fotos im Format 4,5cm×6cm da: Ich habe den Rahmen also eingelegt und möchte auf meinem ersten Film 4 Fotos mehr unterbringen, schließlich komme ich aus der digitalen Welt und kann dort beinahe beliebig viele Bilder auf der Speicherkarte unterbringen.

Das ist es also: Mein erstes analoges Foto, geschossen mit der Weltax.
Das ist es also: Mein erstes analoges Foto, geschossen mit der Weltax.

Bevor ich die ersten Bilder mache, muss ich mir aber noch Gedanken über die korrekte Belichtung der Bilder machen. Die Weltax hat keinen eingebauten Belichtungsmesser und so muss ich entweder einen eigenständigen Belichtungsmesser mitnehmen oder die Belichtung schätzen. Einen reinen Belichtungsmesser habe ich nicht, also packe ich vorsichtshalber eine digitale Kamera mit Belichtungsmesser in die Tasche. Langfristig möchte ich aber davon loskommen. Ein Bekannter hat mir Do-It-Yourself Belichtungsmesser empfohlen, die man mit ein bisschen Papier einfach selber bauen kann. Mir hat Andy’s Handy Mini Exposure Calculator am besten gefallen. Der Zusammenbau dauerte nur zwischen 5 und 10 Minuten. Da ich ⅓-Blendenstufen nutze, muss ich die zweite Seite des PDFs gar nicht ausdrucken.

Nun geht es also los. Immer im Sinn, dass ich nur 16 Schüsse zur Verfügung habe, suche ich mir das erste Motiv, setze den mobilen Papier-Belichtungsmesser ein. Mein Film hat ISO 100, es ist sonnig mit harten Schatten. Ich verschiebe also die 100 bei den ISO-Werten im Einschub meines Papierschiebers so, dass sie genau auf die 15 in der umgebenden Skala deutet. An den unteren beiden Skalen kann ich dann die Paare aus Blende und Belichtungszeit ablesen, bei denen meine Belichtung passen müsste. Einfach!

Ablesen der korrekten Belichtungszeiten. Oben frei gewählt, unten die passenden Blende-Belichtungszeit-Paare
Ablesen der korrekten Belichtungszeiten. Oben frei gewählt, unten die passenden Blende-Belichtungszeit-Paare

Da ich ein Landschaftsmotiv fotografieren möchte, entscheide ich mich für Blende 18. Sicherheitshalber schraube die Blende ein bisschen weiter zu, denn der größte Sensor, mit dem ich sonst fotografiere ist ein APS-C-Sensor und der ist deutlich kleiner als ein Foto auf meinem Mittelformat-Film, somit ist bei gleichen Belichtungseinstellungen die Schärfentiefe hier geringer, als ich es gewohnt bin. Bei Blende 18 soll ungefähr ein Hunderstel Belichtungszeit gewählt werden. Die Werte wähle ich auf meiner Kamera. Außerdem wähle ich am Fokusring unendlich aus. Ich möchte aber noch einmal auf Nummer sichergehen und mache mit meiner Digitalkamera ein Testfoto mit den gleichen Einstellungen: passt! Ich wähle also meinen Bildausschnitt durch den Sucher und drücke den Auslöser. Das satte Klacken der Weltax verrät mir, dass der Film jetzt an dieser Stelle belichtet ist und ich spule sofort weiter, bis ich die 2 im Fensterchen sehe.

Bei verschiedenen Wetterbedingungen sind verschiedene Belichtungen erforderlich.
Bei verschiedenen Wetterbedingungen sind verschiedene Belichtungen erforderlich.

Für die folgenden Bilder mache ich nicht jedesmal ein Testfoto, sondern verlasse mich auf den selbstgemachten Belichtungsmesser. Im Zweifelsfall belichte ich lieber etwas über, denn ich habe irgendwo gehört, dass man in der Nachbearbeitung überbelichtete Filme besser korrigieren kann als unterbelichtete, anders als im Digitalen. Das klingt logisch, denn es sind ja die Negative die man scannt und anschließend können in der digitalen Nachbearbeitung die dunkleren Bereiche der Negative etwas aufgehellt werden, die den hellen Bereichen bei den Positiven entsprechen.

Man muss aufpassen, dass nach jeder Belichtung der Film weitergespult wird, da ansonsten Doppelbelichtungen entstehen können. Ich war aufmerksam und habe genau 16 Fotos auf dem Film untergebracht.

In den folgenden Beiträgen stelle ich noch den Entwicklungsprozess sowie meine Variante der Digitalisierung vor. Dort zeige ich dann auch weitere Fotos von meinem ersten analogen Film.